Autor: Antje Mayer

Erschienen in: „Kunstzeitung“ Nr. 93/2004

Was Antje Mayer sexy findet. Garantiert unzensiert!

Welchen lebenden bildenden Künstler ich sexy und geil finde?
Ich musste herzhaft lachen. Kunst sexy? Ein Popsänger und seine Songs können sexy sein. Zum Beispiel David Bowie, the one and only. Wie konnte dieser Mann aller Männer sich nur an diese Topmodel-Schlampe verschenken. Brrr, I love you, David. Natürlich können Schauspieler sexy sein. Wegen deiner Backenknochen, Johnny Depp, deines Schmollmundes habe ich mir sogar fünfmal den künstlerisch außergewöhnlich hochwertigen Film „Piraten der Karibik“ gegeben. Brrr, I need you, Johnny …

Ärzte können sexy sein, Pizzaboten, Fußballer, selbst Polizisten (Letztere aber nur im Film), ja sogar Klempner (meine Damen, Sie wissen, was ich meine!?). Aber warum nur nicht zeitgenössische bildende Künstler und ihre Kunst?

Sein „mediales Umfeld“ und das „Bild der Frau und des Mannes“ in unserer heutigen „Konsum-Gesellschaft“ kritisch „zu reflektieren“, „gewohnte Sehgewohnheiten zu durchbrechen“ und sich Tag und Nacht für „den Prozess künstlerischen Arbeitens“ zu interessieren, ist halt nicht gerade der heiße Stoff aus dem die feuchten Träume sind.

Da kann man die Galerien und Museen mit noch so vielen Mösen und Schwänzen zupflastern, öffentlich onanieren, sich irgendwas am Körper aufschneiden und an-, weg- oder hineinamputieren und Schlingensief einen Porno drehen. An der Trennlinie, wo Sex aufhört und die Erotik anfängt, beginnt die Kultur, hat Camille Paglia mal sinngemäß geschrieben. Und wo die Erotik aufhört, fängt die zeitgenössische Kunst an, füge ich hinzu. Ist ja voll okay. Deswegen schaue ich mir „Piraten der Karibik“ heute Abend zum sechsten Mal an. Damit ich schön träumen kann, Johnny.