Autor: Antje Mayer
Erschienen in:
„Kunstzeitung“ Nr. 02/2005

Husslein geht! Ein Abschiedsbrief

Sie habe sich „aus persönlichen Gründen“, der Kinder und ihres Mannes in Wien wegen, entschieden, sich nicht mehr für die zweite fünfjährige Amtszeit als Direktorin des Museums der Moderne (Rupertinum) in Salzburg zu bewerben.

Mist! Es war einfach eine perfekte Melange: Seitenblicke-Gesellschaft trifft auf Politik und Kunstszene. Solche Konstellationen sind der Stoff, aus dem Journalisten-Träume sind. Als „weiblicher Moshammer der österreichischen Art-Society“ galt Husslein. Ist es Zufall, dass das Münchner Original nun auch tot ist? Jedenfalls war das kein Freudenmonat, der vergangene Januar.

Die adelige Dame war in den letzten Jahren buchstäblich ein schier endlos sprudelnder Quell von Skandalen, Gerüchten und Intrigen, in die sie sich teilweise durch mangelndes diplomatisches Geschick, Unerfahrenheit und Arroganz selbst verstrickte und zugegeben nicht selten verstrickt wurde.

Mit ihrer „erfrischend offenen Art“ konnte sie zum Elefanten im Porzellanladen mutieren. Man musste bei dieser Frau „nur einen Knopf drücken“ und es kam irgendetwas Angreifbares heraus. Eine perfekte Fundraiserin, eine mittelmäßige Kunsthistorikerin, aus der Sicht der Salzburger Politiker auf ihrem offiziellen Posten durch ihre Persönlichkeitsstruktur letztlich eine lebende Mine, die man durch die neue Ausschreibung ihres Jobs entschärfen wollte.

Dass Husslein mit ihrem Rücktritt der Schmach einer Absage entging, gilt in Insiderkreisen als wahrscheinlich. Bis Juni 2005 soll jedenfalls aus den restlichen 31 Bewerbern ein geeigneter neuer Kandidat ausgewählt sein.

Selbst den Satz „Dabei fing alles so gut an“ kann man nun zum Abschied von Agnes Husslein-Arco nicht tröstend anführen, denn die Zeichen standen für sie von Anfang nicht gut. Dass Husslein sich vor der Salzburger Zeit als Geschäftsführerin von Sotheby’s Österreich offensiv auf Highsociety-Events produzierte, durch ihre Herkunft privilegiert ist, reich und dabei politisch konservativ, dürfte nicht eben zu ihrer professionellen Glaubwürdigkeit und allgemeinen Beliebtheit in Kulturkreisen beigetragen haben.

Alles zusammen drehte ihr letztlich den Strick: die Geburtstagsfeier in ihrer Privatwohnung für den FPÖ-Politiker Thomas Prinzhorn 2000, am Höhepunkt der Proteste gegen die schwarz-blaue Regierung. Eine falsche Geste zur falschen Zeit, die sie den Sotheby’s-Job kostete und für immer einen zwielichtigen Ruf einbrachte. Ihre Rede 2003 zur Eröffnung des Museums der Modernen Kunst Kärnten an der Seite Jörg Haiders besserte ihn nicht eben auf. Dann der Streit um das Auswahlverfahren in Salzburg und ihre fachliche Qualifikation. Ebenso der Wirbel um die Skulptur mit erigiertem Penis der Künstlergruppe Gelatin während der Salzburger Festspiele Sommer 2003, ihre offene Kritik an der Provinzialität Salzburgs und nicht zuletzt die andauernden internen Personalquerelen. Positiv beurteilt wurde im Allgemeinen die professionelle Eröffnung des Neubaus des Museums der Moderne am Mönchsberg im Herbst 2004 und die Akquise so vieler guter Leihgaben.

Manche Verträge würden nun aber durch ihren Abgang mit Sicherheit gekündigt werden, droht Husslein, weil jene ja an ihre Person gebunden seien. Sie kann das Fettnäpfchen einfach nicht lassen. Husslein sollte zur Schutzgöttin aller Kolumnenschreiber geheiligt werden! Wir vermissen sie schon jetzt.